Unser Meisdorf, auch liebevoll „Tor zum Selketal" - manchmal sogar "Tor zum Harz" - genannt, liegt am Nordostrand des Harzes, dort, wo die Selke aus ihrem idyllischen Wiesental kommend eine weite Fluss­zone geschaffen hat.

Rasch ansteigende Berge umschließen im Norden, Süden und Westen eine Mulde am Ausgang des Selketals, die mit 660 ha das größte Na­turschutzgebiet der Region Falkenstein darstellt. Das Selketal schnei­det sich wie eine scharfe Kerbe in die alten Gesteine, vielfältige Pflanzen- und Tierarten sind zu beobachten. Hier, wo die Natur vollen Schutz genießt und Autos tabu sind, erschließt sich dem Besucher zwischen Meisdorf und Mägdesprung eine herrliche, fast unberührte Landschaft.

Der Ort Meisdorf liegt 185-240 m über NN und erstreckt sich in einer Länge von ca. 2,5 km vorwiegend links der Selke. Die Gemarkung Meisdorf umfasst eine Fläche von 19,56 Quadratkilometern. Grund für die Ansiedlung der Menschen in früher Vorzeit auf dem Gebiet, das Meisdorf und Umgebung heute ausmacht, kann die Siche­rung des Weges durch das Selketal gewesen sein. Die Siedlungsge­schichte reicht weit zurück - "Meyßtorp" wird 1184 erstmals urkund­lich erwähnt. Vom 11. bis 15. Jh. gehörte Meisdorf zur Grafschaft derer von Falkenstein. Später übernahm den Besitz das Adelsge­schlecht der Asseburger.

Als das Geschlecht der Asseburger Ende des 18. Jh. seinen Wohnsitz von der Burg Falkenstein nach Meisdorf verlagerte und ein Schloss bauen ließ, veränderte sich auch der bäuerliche Charakter des Ortes. Eine Allee verbindet seitdem Schloss und Dorf und schon im 18. und 19. Jh. waren berühmte Adlige, Dichter und Maler in Meisdorf, inspi­riert von der Landschaft des romantischen Selketals.

Die Meisdorf'er waren erfolgreiche und streitbare Bauern, deren im­posante und wehrhafte Höfe zum Teil bis heute erhalten sind. So der Buchmannsche Hof mit einem unter Denkmalsschutz stehenden Tau­benturm oder der Möhringshof (Ringbauernhof), heute Museumshof und Sitz der Touristinformation.

Von den einst zahlreichen Mühlen entlang der Selke wird nur noch die ehemalige Bansemühle im Ort als Wassermühle von der Familie Bischhof betrieben. Die Thalmühle im Selketal ist heute Hotel und Restaurant der „Van der Valk"-Hotelgruppe.

Sichtbare Zeugen jahrhundertelanger bergmännischer Tätigkeiten sind im Wald verstreut liegende Pingen und Mundlöcher der Stollen.

In der Zeit der DDR war Meisdorf ein sehr beliebter und stark fre­quentierter Urlaubsort durch den Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) und Naherholungszentrum für die Kreise Aschersleben und Hettstedt. Besonders der Komplex „Schloss Meisdorf' als Betriebsferienheim des ehemaligen VEB „Walzwerk Hettstedt", die 1974 eingeweihte Jugendherberge im Selketal und die an drei verschiedenen Standorten durch Institutionen, Betrieben und Bürger errichteten Bungalowsiedlungen prägten das Bild des seit 1988 staatlich anerkannten Erholungs- und Urlaubsortes Meisdorf. Mit über 160 Beschäftigten stellte das Erholungswesen im Ort einen erheblichen wirtschaftlichen Faktor dar.

Das Schloss, (einst Sitz derer von der Asseburg) ist heute eine elegan­te Hotelanlage. Zu dieser Anlage gehört eine 18-Loch Golfanläge mit 542 m Länge, welche im September 1996 eröffnet wurde und weit über die Grenzen des Dorfes bekannt ist.

Gegenwärtig zählt Meisdorf 1199 Einwohner und hat 346 Häuser.

Damals wie heute sind mittelständische Betriebe der Wirtschaft und Landwirtschaft sowie das Gastgewerbe die wirtschaftliche Grundlage der Gemeinde Meisdorf. Der Bereich der Selkeniederung mit dem südwestlich gelegenen Natur- und Landschaftsschutzgebiet Selketal bei Meisdorf ist ein Erholungsgebiet von überregionaler Bedeutung und prädestiniert für sanften Tourismus.Mit seinen Höhenzügen bietet es dem Wanderer urwüchsige Harzer Frische, Ruhe und Beschaulichkeit - eine Landschaft zum Wohl­fühlen, abseits vom Durchgangsverkehr, zum Wandern wie geschaf­fen.

Meisdorf mit seiner reizvollen Umgebung ist ein idealer Standort und Ausgangspunkt zum Erholen, Entdecken der Natur und der geschichts-trächtigen Region mit ihren zahlreichen Burgen, Schlössern und Bauwerken.

Bereits im 19. Jh. war Meisdorf Anziehungspunkt für Wanderer und „Sommerfrischler". Die über 100-jährige Tradition als Erholungs­und Urlaubsort findet auch heute unter anderen Voraussetzungen und Verhältnissen seine Fortsetzung im Einklang mit dem Spruch, der seit 1686 über dem Eingang der Patronatskirche der Asseburger in Meis­dorf kündet:

„Gott Vater, Gott Sohn, auch Gott Heiliger Geist, in Meisdorf zu woh­nen, stets Feste verheißt!"

 

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Meisdorf im Wandel der Zeit

 

Vor- und Frühgeschichte

Bereits in der Altsteinzeit haben Menschen ihre Spuren in unserer Heimat hinterlassen: „Für die Anwesenheit des Menschen im Gebiet des Ost- und Nordharzes schon vor ca. 200 000 Jahren gibt es Zeug­nisse in den Rübeländer Höhlen. Es ist die Zeit des 'Neandertal-Menschen' und des Mammut." (BINNER, R., 1980) Bei Königsaue auf dem Bruchsberg (infolge des Braunkohlenberg­baus abgebaggert) hatten altsteinzeitliche Jägergruppen, bestehend aus 20-30 Mitgliedern, vor mehr als 55000 Jahren ihr Jagdlager in dreimaliger Folge aufgestellt. (Chronik der Gemeinde Frose). Es liegt nahe, dass diese Jägergruppen auch in unserem Gebiet gejagt haben.

Aus der Mittelsteinzeit (etwa 10.000 bis 6.000 v. Chr.) sind keine Funde bekannt. Wahrscheinlich waren die wenigen hier lebenden Menschen der letzten Eiszeit ausgewichen bzw. wurden durch sie ver­trieben und eine Neubesiedelung war noch nicht erfolgt. Dagegen ha­ben wir aus der Jungsteinzeit (etwa 6.000 bis 1.800 v. Chr.) reichli­ches Fundmaterial aufzuweisen. In der ehemaligen Mergelgrube am nördlichen Ausgang des Ortes hinter dem Sauerbach wurden Pfrie­men, zahlreiche Scherben dieser Zeit, Facettenäxte, eine Steinkeule, Tierknochen und sogar eine Geweihhacke gefunden. Die Besiedlung erfolgte aus dem Harzvorlande. Von hier drangen die Menschen talaufwärts der abfließenden Bäche (auch der Selke) in den Vorharz ein. Sie kultivierten die wenig bewaldeten Lössterrassen ne­ben den Flussläufen und wurden sesshaft. Aus den einstigen Jägern und Sammlern wurden Ackerbauern und Viehzüchter.

Auch aus der Bronzezeit (etwa 1.800 bis 700 v. Chr.) und der folgen­den Eisenzeit (etwa 700 v. Chr.) gibt es viele Funde und sogar Bau­werke (heute Bodendenkmäler). Über den Fund einer Kette berichtet Pastor Carl Heinrich August Münchhoff folgendes: „Ein hiesiger Ackermann namens Kühne hat schon im J. 1801 auf sei­nem Ackerstück, welches auf dem so genannten 'Haasen-Thale', ei­ner gegen Norden nahe bei Meisdorf befindlichen Anhöhe liegt, eine größere, aus Thon geformte, runde, in der Mitte gegen 12 Zoll weite und nach oben verengende, mit einem Deckel versehene Urne beim Pflügen gefunden, die er aber, nachdem er den Inhalt untersucht hatte und darin mehrere, etwa 4 Zoll lange sehr dünne mit Asche ver­mischte Knochen, die beim Niederfallen wie Glas klangen und von einer weißgraulichen Farbe waren, gefunden, wieder in die erde ver­graben hat.... In der Nähe der oben beschriebenen größeren Urne fand derselbe Ackersmann zu derselben Zeit auch eine aus einem röt­lichen Metalle verfertigte Kette von einer solchen Härte, dass sie der feinsten und schärfsten Feile widerstand. Diese Kette war von einer ganz besonderen Art. An einem Ende befand sich ein etwa 4 Zoll lan­ger Haken; dann folgten mehrere auf besondere Art gearbeitete Glie­der, an deren Ende eine ziemlich starke länglich gearbeitete Kugel be­fand, die wiederum durch eine kleinere Kette, deren 3 oder 4 Gelenke die Breite eines Strohhalmes hatten, mit 4 kleineren, zusammenhän­genden Kugeln verbunden war. Die Kette, deren ganze Länge viel­leicht eine Elle betrug, soll nach Berlin gekommen sein." (MÜNCH-HOFF, C.H.A., 1828). Des Weiteren berichtet er 1851 vom Fund einer Urne aus einer, 'Metallcomposition'. Darin befand sich ein spi­ralförmig zusammengebogenes Schwert, ein langer vierschneidiger Speer und darauf der Deckel einer Sturmhaube. Neben diesen Be­schreibungen belegen einzelne Gefäße und zahlreiche Gefäßreste von Schalen, Töpfen, Tassen, verzierten Situlen (z.B. Bronzesitula, do­naukeltisch im Museum für Vorgeschichte Berlin, - Fundort Meisdorf) sowie eine stark verrostete Eisenlanzspitze mit Resten des Schaftes (alles aus der ehemaligen Mergelgrube), dass diese Siedlung bis zur Völkerwanderungszeit bewohnt war. Außerdem wurden in der Mergelgrube zahlreiche Wohngruben entdeckt, in denen Tierknochen, jeweils ein Gusskuchen aus Bronze bzw. Eisen, eine Mühle mit Ober -rund Unterteil sowie eine Granitunterlage mit flacher Höhlung gebor­gen wurden.

„Ein großes Gräberfeld mit reichlichen Grabbeigaben ist um die Zeit­wende auf dem Osterberg angelegt worden. Zu dieser Begräbnisstätte muss eine bedeutende germanische Siedlung gehört haben. Zum Schutz gegen kriegerische Überfälle wurden die Siedlungen der Feldbauern mit Wall und Graben befestigt sowie Höhensiedlungen errich­tet. Eine solche Befestigung und Höhensiedlung hat auf dem Gold­berg - 1 km südöstlich von Meisdorf - bestanden. P. GRIMM vermu­tet, dass diese in der jüngeren Bronzezeit und früheren Eisenzeit besiedelt war." (CHRONIK DER GEMEINDE MEISDORF, 1984) Er beschreibt die Anlage so: „Goldberg:

Örtliche Lage: 260 m NN aus der Hochfläche vorspringender Ber­grücken 1 km südöstlich von Meisdorf Baugrund: Kulmgrauwacke

Baumaterial: Steintrockenmauer, stellenweise Kulmgrauwacke Beschreibung: Nordwestlicher Teil des Rückens auf Ost- und Südsei­te durch flachen, der Geländeform angepassten Wall geschützt. Der Wall riegelt den Zugang nach Südosten ab. Der südöstliche Teil des Rückens nach Süden ist durch einen niedrigen Wall befestigt. Auf der Zugangsseite im Südosten ist ein doppelter Wall mit Vorgraben und Erdbrücke. Am inneren Wall keine Erdbrücke, so dass der Weg vom Tor in Mitte des vorderen Walles zwischen den Wällen vorläuft bis zum Ende des Innenwalles. Größere Steinblöcke lassen stellenweise Steintrockenmauern vermuten.

Geschichte: Vermutete Befestigung und Höhensiedlung der jüngeren Bronzezeit und frühen Eisenzeit." (BINNER, R., 1980)

Eine weitere Wallanlage dieser Zeit ist auf dem Bartenberg nahe der Burg Falkenstein. Die Entstehung dieser Wallanlage wird aufgrund der gefundenen Keramikscherben und Spinnwirtel in der frühen Ei­senzeit angesetzt. Ihr Ende scheint sie in der mittleren Eisenzeit ge­funden zu haben.

Nordwestlich vom 'alten Falkenstein' linksseitig der Selke stand auf einer Felsnase die Ackeburg. Die Burgstelle ist uns jetzt als Selke­sicht bekannt und ein beliebtes Wanderziel geworden. Von dem ins Tal vorspringenden Felsen genießt man einen wundervollen Ausblick auf die gegenüberliegenden bewaldeten Berge mit der im 12. Jahrhundert erbauten Burg Falkenstein und die sich durch die Wiesen schlängelnde Selke im Talgrund. Die Selketalstraße ist weithin zu übersehen und somit war dies ein idealer Platz für eine das Tal beherr­schende Burg. Ein Stück weiter zurück auf der Höhe hat wahrschein­lich auch eine kleine zur Burg gehörende Siedlung bestanden. Ur­kundlich ist nur weniges über die Ackeburg erhalten. 1216 wird ein „Burchardus" - und 1263 ein „Hermanus de Ackenborch" genannt. Aber schon 1400 ist die Burg und Siedlung verschwunden. Nur der Flurname 'Ackeburg' ist bis heute geblieben. Die Burganlage wird von Prof. GRIMM folgendermaßen beschrieben: „Ackeburg: Hauptburg 30 m Durchmesser nach allen Seiten abfal­lend, nach der Hochfläche zu, 11 m breite Vorburg durch Halsgraben gesichert, weitere 150 m weiter befindet sich ein langer Querwall, (frühere Dorfanlage?) Vermutlich ist es eine aus Holz gebaute Burg gewesen, denn Reste vom Mauerwerk wurden bisher nicht festge­stellt. Die Anlage war eine Lehensburg der Grafen von Valkenstein." (BINNER, R.,1980) Andere Quellen bestätigen, dass die Ackeburg Sitz eines gleichnamigen Geschlechts von niedrigem Adel war, des­sen bekannt gewordenen Glieder den Namen Burchard (de Akke-borch) führten und Lehensmannen des Grafen von Falkenstein wa­ren. Pfarrer MÜNCHHOFF verweist in dem Zusammenhang darauf , dass die Akkeburg: „ ... als ein Burglehen von einer, jetzt nicht mehr existierenden adligen Familie, Buggerode, ... dass ... an die Familie Asseburg gekommen seyn, und worüber sich der Lehenbrief noch in dem Archive auf dem Falkenstein vorfinden soll. Man sagt, auf dem Berge habe sich ein Thurm, oder eine Art kleiner Burg befunden, worauf auch der Name derselben, Akkeburg, hindeutet. Weitere Spu­ren davon finden sich nicht, außer einer von Erde aufgeworfenen Schanze, die zur Vertheidigung der ehemaligen Burg gedient haben mag." (MÜNCHHOFF, C.H.A, 1828) Auch ein Dörfchen des glei­chen Namens muss bei der Burg gelegen haben, da der Name im Jah­re 1400 auch im Halberstädter Achidiakonatsregister erscheint. Die dortige Flur wird noch heute als Ackeburg bezeichnet und der unter­halb der Selkesicht befindliche Übergang über die Selke wird als „Ackeburgsbrücke" bezeichnet.

Auch die Wallanlage auf dem Burgberg (1km östlich von der alten Ziegelei könnte bronzezeitlich sein. Eine nähere Untersuchung ist noch nicht erfolgt.

„Zu Beginn der Völkerwanderungszeit entstand der Stammverband der Thüringer. Zu ihm gehörten auch die Bewohner des Gebietes um Meisdorf. Nach der Zerschlagung des großen Thüringerreiches durch die Franken im Jahre 531 gelangte dieses Gebiet in den Besitz der Sachsen. Im Jahre 586 zogen die Langobarden nach Italien. Diesen schlössen sich 26 000 waffenfähige Sachsen aus unserem Gebiet an. In den verlassenen Gegenden wurden von den Franken andere Germanenstämme angesiedelt. Im Kampf gegen die wieder zurückge­kehrten Sachsen behaupteten die eingewanderten Stämme ihre Wohn­sitze. Die Gaue wurden nach den jeweilig ansässigen Germanen­stämmen benannt. Das Meisdorf er Gebiet lag im so genannten Schwabengau. Die neuen Ansiedler hatten eine schwere Aufgabe übernommen, denn sie mussten sich gegen feindliche Einfälle von der Saale her schützen. Für Erlass der Tributpflicht gegenüber den Fran­ken übernahmen Sachsen den Grenzschutz gegen die Slawen. An den Übergängen der Saale und an Gebirgsrändern wurden zur Abwehr Burgen errichtet und Befestigungen angelegt." (CHRONIK GE­MEINDE MEISDORF, 1984)

So entstand vermutlich im 10. Jh. der „alte Falkenstein." Heinrich I. ließ überall im Land und besonders in Grenznähe Burgen und Befe­stigungen errichten, um gegen die Einfälle der Magyaren und Slawen gewappnet zu sein. Schließlich waren ja Elbe und Saale damals die Grenze zu den slawischen Stämmen. Der alte Falkenstein schützte den Zugang zum Harz durch das Selketal. Folgende Beschreibung liegt zu dieser Anlage vor:

„Örtliche Lage: 335,5 m NN, auf schmalen, nach Westen vorsprin­genden Bergrücken. Über dem rechten südlichen Selkeufer (212 m NN), 5 km südwestlich von Meisdorf Baugrund: Kulmgrauwacke

Baumaterial: Kulmgrauwacke, Bruchstein in Mörtel Beschreibung: Lang gestreckte Anlage auf schmalem Ost-West strei­chenden Felsgrat, bestehend aus Hauptburg (westlich) und Vorburg (östlich), beide durch einen Halsgraben getrennt. Hauptburg oval, Fläche 25 x 65 m von tiefem Ringgraben mit Vorwall umgeben. Im Ostteil der Burgfläche kreisrunde Erhöhung auf (hölzernen) Bergfried hinweisend, Spuren von Gebäuden, Reste der Ringmauer. Vorburg in ihrer Fläche 85m lang, aber oft nur wenige Meter breit. Westlich über dem gegen die Hauptburg abschließenden Halsgraben natürlicher Felskopf als Turm benutzt, östlich Zisterne. Dort ein zweiter Halsgra­ben als Abschluss der Burg gegen Osten. Gesamtlänge der ganzen Anlage 200m." (BINNER, R., 1980)

Nach der Schlacht vom 11.2.1115 bei Weifesholz, in der die aufstän­dischen Sachsen dem Heer des Saliers Kaiser Heinrich V. eine ent­scheidende Niederlage bereiteten, wurde der alte Falkenstein zerstört. An seiner statt entsteht 1,8 km östlich der neue Falkenstein, das heuti­ge Museum Burg Falkenstein, (s. auch zur Geschichte der Falkenstei­ner und Asseburger Kap. 5)

Die Edlen von Meisdorf gelten als Burgmannen der Falkensteiner. Ihr zum niederem Adel zählendes Geschlecht tritt vom 12. Jahrhundert ab urkundlich auf und erlischt zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Als Ahnherr dürfte Friedrich von Meisdorf, bzw. sein Sohn Otto gelten, welche in den Jahren 118-1207 in Urkunden vorkommen. Erstmals soll Meisdorf 1184 in einer Urkunde erwähnt worden sein, die von der Äbtissin Agnes, die dem Quedlinburger Stift von 1184 bis 1209 vorstand, ausgestellt wurde. „Hier wurde eine Reihe von Zeugen be­nannt. Unter anderen ist der o.g. „Otto Domini Friedericus Filius de Meyßtorp" aufgeführt. (Otto, Sohn des Herrn Friedrich aus Meisdorf). Es ist dies aber keine Gründungsurkunde, und so dürfte der Ort wohl älter sein." (CHRONIK DER GEMEINDE MEISDORF, 1984)

Darüber hinaus finden sich Verweise auf geschichtliche Eintragungen (FRAGMENTE, verm. des Mansfeider Heimatkalenders ohne weite­re Zeitangaben) zu einem „Hermannus et Wernerus de Meystorp" (1219) als Zeugen des „Grafen Heinrich vom Regenstein." 1250 be­zeugt „Ekehardus de Meysdorff" eine Urkunde des Bischofs „Mein-hard von Halberstadt zu Halberstadt." In dem vorgenannten Doku­ment ist vermerkt, dass 1293 die Äbtissin „Bertradis zu Quedlinburg" an die „verwitwete Grete, genannt von Meisdorf' (Grete dicte de Meystorp), Einkünfte aus ihren Gütern zu Bicklingen verkauft. 1299 sind die Knappen „Johannes de Megisdorp" und „Jordanus de Megisdorp", vermutlich Söhne der vorerwähnten Grete, als Zeugen des Rit­ters „Konrad von Ballenstedt" vermerkt. An anderen Stellen tritt das Meisdorfer Geschlecht als Schoppen, Knappen, Schenken und Käm­merer auf dem Quedlinburger Stift urkundlich auf. Vermutlich er­losch das Meisdorfer Geschlecht zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Der letzte des Geschlechtes, „Curd der Gestrenge", soll bis Anfang des 16. Jahrhunderts gelebt haben. Einen Zweig des Meisdorfer Ge­schlechts stellt das Märkische Geschlecht v. Metzdorf oder Mestorf dar. Vorübergehend ließ sich das Meisdorfer Geschlecht auch in An­halt nieder, wo 1382 ein „Jordan von Meisdorf' ansässig war. Das Geschlecht derer von Meisdorf soll zeitweise auch in Reinstedt, Staßfurt, Alt Gatersleben, Westdorf und in Quedlinburg begütert gewesen sein. (s. auch SCHMEISSER, R., 1927)

„Die urkundlichen Formen des Ortsnamens (1219 Meystorp, 1241 Meistorp, 1250 Meysdorff, 1299 Megisdorp später immer Meisdorp und Meystorp) namentlich aber die vom Jahre 1299 lassen die Annah­me zu, dass derselbe mit dem Personennamen Mayo (Maio), Meyo (Meio) vielleicht auch mit dem Personennamen Megizo oder Meyzo, welche sämtlich urkundlich bezeugt sind, zusammengesetzt ist. Also = Dorf des Mayo oder Megizo" (FRAGMENTE MANSFELDER HEIMATKALENDER)

Offenbar ist Meisdorf aus zwei dicht aneinander liegenden Dörfern erwachsen, von denen das eine Meisdorf, das andere Wertheim hieß. Wertheim ist wahrscheinlich zur Zeit der fränkisch-sächsischen Herr­schaft entstanden. Vermutlich lag dieser Ort, wie erst 1978 durch R. BINNER und Dr. PRELL unabhängig voneinander entdeckt wurde, im Bereich des Klusberges (gegenüber des heutigen Schlosshotels). Während des Mittelalters war Wertheim anscheinend der wichtigere Ort. In Wertheim stand eine Kirche und war ein Pfarrer tätig. Über Wertheim ist urkundlich Material von 1296 bis zu der Zeit vorhanden, als die Siedlung aufgegeben und wüst wurde. Dies ist vermutlich zur Zeit der Reformation oder des Großen deutschen Bauernkrieges zu Anfang des 16. Jahrhunderts geschehen. Schon 1296 wird „C. plebanus in Wertheym" erwähnt. 1311 werden beide Dörfer nebenher erwähnt, denn in dem genannten Jahre wird Graf „Burchard von Fal­kenstein" mit dem „Zehnten von Meistorp und Wertheym" vom Bi­schof von Halberstadt beliehen. 1400 nennt die Halberstädter Archidiakonatsmatrikel „Wertheym in banno Gatersleve", wie auch 1486 Wertheym abermals in demselben Banne erwähnt wird. (SCHMEISSER,R., 1927).

Andere Quellen sagen aus, dass Wertheim den Osterberg, den so ge­nannten Selketeich und die Mergelgrube umfasste. Eine Annahme, dass Wertheim nördlich oder nordwestlich von Ermsleben gelegen habe, stellte sich als Irrtum heraus, denn die Bedeutung des Namens Wertheim verlangt eine ganz bestimmte Lage. Als Grundwort dient das Wort Heim im Sinne von Haus und Heimat, wogegen das Bestim­mungswort „Wert" od. „Warid", und „Werid", welches ein dem Was­ser verwehrtes, in einem Flusse oder zwischen Sümpfen gelegenes Stück Land, also eine Insel bedeutet, (vgl. Kaiserswerth, Nonnenwert, Donauwörth) Da hiernach der Ortsname „Heimstätte auf einer Insel" bedeutet, so muss Wertheim an der Selke gelegen haben, an ei­ner Stelle, welche vermutlich also jetzt das Schloss Meisdorf ein­nimmt, (vgl. FRAGMENTE MANSFELDER HEIMATKALEN­DER)

Wiederum andere Vermutungen beziehen sich darauf, dass ein Teil des heutigen Meisdorf ein Zubehör von Wertheim gewesen sein soll. Dann wäre es erklärlich, warum im Mittelalter zwar ein Pfarrer von Wertheim, nicht aber ein Pfarrer von Meisdorf erwähnt wird. Meis­dorf hatte demnach zu seiner frühen Geschichte offenbar keine Kir­che. Man musste nach Wertheim zum Gottesdienst gehen. Man nimmt an, dass in Meisdorf erst später die Kirche gebaut wurde. 1504 soll Wertheim dem Ort Meisdorf eingemeindet worden sein. Eine letzte Erwähnung findet Wertheim 1593 im Zusammenhang mit der Hochzeit Joachim Banses, Freimüller in Meisdorf mit Dorothea Wen­denburg, Tochter des Christian Wendenburg, Freisasse auf Klus-Wertheim. (vgl. CHRONIK VON MEISDORF, 1984).

Am südlichen Ende des Dorfes liegt der Klusberg, dahinter der Kirch­berg. Der Name desselben könnte entweder daher rühren, dass er Eigentum der Wertheimer Kirche war, oder gar daher, dass dieselbe ur­sprünglich an diesem Orte stand und erst später nach Meisdorf verlegt worden ist. Noch anderen Ortsüberlieferungen zufolge, soll auf dem Klusberg ein Tempelherrenkloster gestanden haben. Man fand auf dem Klusberg mehrere Grundmauern. Schriftliche Nachrichten darü­ber finden sich nicht. Es muss daher dahingestellt bleiben, ob wirk­lich ein Kloster auf dem Klusberg gestanden hat. Ebenso verhält es sich mit einem erwähnten Barfüßerkloster, welches ganz in der Nähe der Meisdorfer Kirche, an der südwestlichen Seite derselben gestan­den haben soll. Für dessen Vorhandensein finden sich aber keine ur­kundlichen Beweise.

Der Sitz der Edlen von Meisdorf war die Stelle des heutigen Wenden­burgischen Anwesens neben der Kirche. Als Grund für die Ansiedlung an diesem Ort kann die Sicherung des Weges durch das Selketal angenommen werden. Teil der Befestigung könnte der noch vorhan­dene Turm am Eingangstor zum Wendenburgischen Hof sein. Es ist überliefert, dass noch drei weitere Türme vorhanden waren, die zu dieser Anlage gehört haben könnten. Es wird in diesem Zusammen­hang auch eine Burg Meisdorf erwähnt, die der Sitz dieses Ge­schlechts gewesen sein soll. Auch ist von einer uralten Wasserburg bzw. wiederum einem Kloster die Rede, zu denen die Türme gehört haben könnten.

Es wird vermutet, dass drei große Ackerhöfe und die Kirche später auf diesem Platz errichtet wurden. Über der Haustür des ehemaligen Wendenburgischen Hofes ist die Jahreszahl 1683 zu lesen und das Eingangsportal zur Kirche ist mit der Jahreszahl 1686 versehen. Viel­leicht sind erst um diese Zeit die Gebäude der 3 Ackerhöfe auf dem zum ehemaligen Kloster (richtiger: zur ehemaligen Burg) gehörigen Territorium erbaut worden.

Pfarrer MÜNCHHOFF beschreibt einen Turm dieser Anlage als: „ein alter viereckiger, vielleicht nur 50 Fuß hoher, von Steinen gemauerter Thurm, der noch gut erhalten ist und den Klosterbewohnern in unsi­cheren Zeiten zum Zufluchtsorte gedient zu haben scheint. Die Mau­ern sind unten über 6 Fuß dick und nach oben zu 4 Fuß stark. Der un­tere Raum, der gewölbt und durch eine Öffnung in der Mitte der Decke mit dem zweiten Raum verbunden ist, soll früher gar keine Öffnung nach Außen gehabt und zur Aufbewahrung von Lebensmittel für die Thurmbewohner gedient haben. Der zweite Raum, aus wel­chem eine hängende Treppe, welche hat aufgezogen werden können, hinaufgeführt hat, ist anstatt der Fenster an 3 Seiten mit 4 Zoll breiten und 2 Fuß langen Öffnungen versehen, die, wie Schießscharten in den Mauern alter Städte, nach außen hin enger, und nach innen zu, weiter gemauert sind. Der dritte Raum nach oben zu, scheint zum eigentli­chen Wohnzimmer gedient zu haben, wenigstens deuten dies die noch vorhandenen schwachen Spuren von rother Farbe an, womit die Wände bestrichen gewesen sind; auch finden sich hier größere vier­eckige Fensteröffnungen und ein lieu secret („Abort" d. Verf.). Über diesem ist noch ein vierter Raum, und dann folgt das an vier Seiten spitz zulaufende Dach. Ein zweiter Thurm von ganz gleicher Be­schaffenheit und innerer Einrichtung hat sich auf dem Gehöfte des dritten Ackerhofes befunden, der aber von dem jetzigen Besitzer des­selben vor mehreren Jahren abgebrochen ist, um die Steine anderwei­tig zu gebrauchen. Gewiß würden diese beiden Thürme auch schon früher das Schicksal der übrigen Klostergebäude geteilt haben, wären sie nicht von so fester Beschaffenheit gewesen." (MÜNCHHOFF, C.H.A., 1828)

„Da jedoch ein Kloster mit mehreren Bergfrieden eine höchst sonder­bare Anlage sein würde und das Bestehen eines Klosters in Meisdorf bisher überhaupt nicht erwiesen ist, so muss angenommen werden, dass beide Türme einer ehemaligen später aber doch stark veränder­ten Wasserburg angehört haben, mag dieselbe nun als die Burg von Meisdorf oder von Wertheim angesehen werden." (SCHMEISSER, R. 1927) Nach dem Aussterben der Herren von Meisdorf scheint die Burg von mehreren Besitzern eingenommen oder geteilt worden zu sein.

Das Wappen des Meisdorfer Geschlechts zeigte im Schilde einen Fe­derwedel oder Federfächer, während sich auf dem Helme 3 solche Fi­guren wiederholen.

Bis 1572 lebten die Einwohner von Meisdorf vorwiegend von der Landwirtschaft. Eine neue Erwerbsquelle, der Kohlebergbau kam später hinzu. Im Jahr 1586 bestand Meisdorf aus 66 Häusern. 1636 waren es 71. Der 30-jährige Krieg zerstörte 19 Häuser. !798 waren es bereits wieder 116 Häuser und 1848 zählte die Gemeinde bereits 1252 Einwohner. 1880 waren es 1400 und 1890 schon 1435 Einwohner.

 

Die jüngere Geschichte

Zur Situation des Dorfes um 1700-1800   

1698 vernichtete ein Großbrand im Dorfkern 22 der besten Häuser und die Gemeinde­schenke. Erst Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich das Dorf vom Dreißigjährigen Krieg erholt und eine rege Bauphase begann.

Teilweise kamen auch ehemalige Bewohner zurück, die während des Krieges die Ge­meinde verlassen hatten. Die meisten Gebäude und die Kirchen befanden sich in einem schlimmen baulichen Zustand. An der Kirche begannen die Umbauten unter Aufsicht und Beteiligung des damaligen Patronatsherren Johann Bernhard I. von der Asseburg.

Die Jahreszahl über dem neu geschaffenen Eingangsportal kennzeich­net den Abschluss des großen Umbaus und Vater der Neugestaltung der Kirche.

Man baute ein gräfliches Backhaus und die alte Schenke wieder neu auf. Die Jahres­zahlen an mehreren Häusern dokumentieren heute noch die Bautätigkeiten im Orte Meisdorf. Die Entwicklung des Dor­fes wurde durch ihre Herrscher, die Falkensteiner, bzw. von ihren Nachfolgern, den Asseburgern, bestimmt. Besondere Baudenkmäler die­ser Zeit sind die Burg Falkenstein sowie das Schloss Meisdorf.

Der älteste Teil des Schlosses entstand 1762. Die gräfliche Familie baute sich ein Sommerhaus auf dem Klusberge, das später gräfliches Forstamt wurde. 1790 wurde das „Alte Gewölbe" als Familiengruft angelegt. 1834 entstand das „Neue Mausoleum". Vom Dorf zum Schloss legte man eine dreifache Allee an und begradigte die Straße am Schloss vorbei. Um Handel und Transport ökonomischer zu ge­stalten, wurden auf Be­treiben der Grafen, besonders von Graf Lud­wig I. v.d. Asseburg die Chausseen zum Harz hin weiter ausgebaut.

In der Sturm- und Drangzeit versuchte er mit seinem reichen Erbe sich in der Grafschaft Verdienste zu schaffen. Er durchschnitt nach allen Richtungen hin die Grafschaft mit Kunststraßen. Er ließ die Chaussee durchs schiefe Tal bauen, wobei man mit einem Via­dukt das Tal überbrücken musste. Auch die Chausseen von Ermsleben nach Harz­gerode über Pansfelde und Abberode, von Meisdorf nach Ballenstedt und Mägdesprung entstanden in dieser Zeit. Die Chaussee von Sangerhausen vorbei an der Leinemühle, welche auch zum Rentamt Meisdorf gehörte, wurden bis nach Meisdorf angelegt. Für einen neu­en Begräbnisplatz stellte er das Gelände zur Verfügung. Dieser neue Friedhof konnte 1853 für die Gemeinde genehmigt und eingeweiht werden. Der Kirchhof war bis 1852 Begräbnisplatz gewesen. Aber wegen drohender epidemischer Krankheiten, wie der Cholera, hätte er auch bei normaler Sterblichkeit den Anforderungen nicht mehr ge­reicht. Nach der Jahrhundertwende wurden die Chausseen von En­dorf, Neuplatendorf, Degnershausen bis zum Gartenhaus neu ausge­baut.

Das Dorf um 1920

„Meisdorf hat ca. eintausend Einwohner, welche hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem Handwerk leben.

Im Ort gibt es nur wenig Fachwerkhäuser. Der größte Teil der Bauten besteht aus Zie­gelsteinen, so dass sie wie kleine Kasernen aussehen.

Rings um das Dorf ziehen sich viele Anger mit zahlreichen Obstbäu­men und auf den Wiesen tummeln sich Scharen von Gänsen. Unterhalb des Dorfes ist ein Stück der Dorfstraße mit Holz gepfla­stert, geht man weiter, so kommt man zur Kirche. Dort, wo Bäcker Pechmann seinen Laden hat, geht es geradeaus zum Friedhof.

Die Dorfstraße macht dort einen scharfen Knick und mündet in die Allee. Zur Zeit der Pferdefuhrwerke stand an der Ecke eine Warntafel mit der Aufschrift: 'Schritt halten.' Von der Allee kommt man direkt zum Schloss.

Rechter Hand stehen die Beamtenhäuser und die Gastwirtschaften Wölfer und Hecht. Mehrere Baumreihen Kastanien geben der Allee

ihren Charakter. Links hinter der Allee liegen die Deputatfelder und Gärten für die Guts­leute. Auch dort stehen Häuser für das Schlossper­sonal. Dann beginnt der Schlosspark und gleich hinter der Mauer steht das Gewächshaus, wo Kübelpflanzen, wie Orangen, Palmen und Pomeranzen überwintern, die im Sommer die Hauptwege säumen. Im letz­ten Haus wohnt Förster Hohmuth, dort steigt die Straße etwas an, dann kommt die Schlosseinfahrt. Allee abwärts steht das Droshin-Haus.

Das Haus von Förster Voigt steht gleich daneben und ein Stück weiter rechts hat der Schmied Wilhelmi seine Schmiede. Am entgegengesetzten Ende des Schlosses, rechts jenseits der Selke, liegt der Schützensaal.

Jährlich im Sommer bildet das Schützenfest den Höhepunkt des Jah­res. Am Vorabend zieht der Spielmannzug, vorweg der Tambormajor Otto Fischer durch das Dorf bis zum Kriegerdenkmal am Schloss. Auf dem Schützenplatz ist der übliche Betrieb mit Schieß­buden, Bier­zelten und Karussells. Im Schützenhaus tanzt Jung und Alt nach Wal­zer- und Foxtrottklängen." (nach H. FRIEDRICH)

Kriegsereignisse im Zweiten Weltkrieg in Meisdorf

1941 stürzte eine „Me (Messerschmidt) 109" in der Nähe des Gold­berges ab. Es gab keine Überlebenden. Das Flugzeug wrack wurde durch deutsche Soldaten vom Flie­gerhorst Quarmbeck abgeholt.

Das Gartenhaus war in den letzten Kriegstagen im Jahr 1945 ein An­laufpunkt ver­sprengter Soldaten, darunter waren auch SS-Angehöri­ge.

Aus Richtung Pansfelde kommend, besetzten am 17. April amerikani­sche Truppen Meisdorf.

Weitläufig um das Gartenhaus bis zur Leinemühle fanden noch Kampfhandlungen statt.

Kampfflugzeuge müssen Bomben abgeworfen haben, Bombentrich­ter im Wald weisen daraufhin. Teile von alten Wehrmachtsfahrzeugen wurden ebenfalls im Wald gefunden.

Zwei amerikanische Flugzeuge wurden bei diesen Kämpfen abge­schossen. Die Piloten fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Pansfelde und wurden später in ihre Heimat überführt. Auf dem Friedhof in Pansfelde sind auch drei deutsche Soldaten beer­digt worden.

Elf Soldatengräber gibt es auf dem Friedhof in Meisdorf. Es handelt sich dabei um Wehrmachtsangehörige im Alter von 18 bis 51 Jahren, die noch in den letzten Kriegsta­gen vom 18. bis 20. April gefallen sind.

An der Leinemühle und an dem Gartenhaus sind noch heute Überre­ste von alten Barac­ken, in denen 1943 Rüstungsmaterial gelagert wurde.

Der Einmarsch Alliierter Truppen 1945

Der erste, und soweit bekannt ist, einzige Schuss, welcher am Ende des zweiten Welt­krieges, genau am 17. April 1945 nachmittags gegen 17.00 Uhr, auf das Meisdorfer Schloss abgegeben wurde, war ein Blindgänger.

Er wurde abgegeben aus der Kanone eines amerikanischen Panzer­spähwagens, der vom Gartenhaus her, das „Schiefe Tal" herunterge­kommen war, auf dem Viadukt ste­hen blieb und das Meisdorfer Schloss beobachtete. Da sich aber auf dem ganzen Schlossgelände nichts regte und bewegte, gab man einen Schuss ab, um Reaktionen zu erzeugen. Dieser Hergang wurde später von einem amerikanischen Soldaten geschil­dert, welcher ziemlich gut deutsch sprach. Zu der Zeit, da dieser Schuss ausgelöst wurde, der für das Schloss und den Ort Meisdorf so etwas, wie die erste Sekunde der Stunde "0" war, stand im Schlosshof an der Ecke des Hauptgebäudes, dort wo der Kü­cheneingang ist, die 77-jährige Gräfin von der Asseburg-Falken­stein mit einer kleinen Gruppe Leute im Gespräch. Von dieser Gruppe wurde folgender Hergang genau ge­schildert:

Es war alles ringsherum unwahrscheinlich ruhig. Alle waren voller Spannung, Ungewissheit und Erwartung. Plötzlich ein metallischer Krach. Etwa einen Meter neben dem Nächststehenden lag ein Stück dunkles Metall (hohl), so etwas, wie eine Hälfte eines von oben nach unten aufgetrennten Bierfasses. Alles war wieder ruhig wie zuvor, kurz darauf wurde festgestellt, dass die Hirschgruppe von ihrem Sockel verschwunden war.

Das halbe Bierfass war ein Teil des Hirschkörpers. Aus dem Schloss kam der Ruf Feuer!

Alle rannten die Treppe hinauf ins Dachgeschoss, es war aber kein Feuer. Eine unge­heuer dichte und trockene Staubwolke erfüllte den Flur und die „Grüne Diele."

In einem auf der Dorfseite des Hauses befindlichen Gästezimmer wurde ruhig und sau­ber im Bett liegend, ein amerikanischer Blind­gänger gefunden. Er hatte folgenden Weg genommen: Aus einer Ka­none auf der Schiefe-Tal-Brücke in rasantem Flug dem Ver­lauf der Selke folgend, hat er die Hirschgruppe getroffen und in tausend Stücke zer­schlagen. Er „krepierte" nicht und wurde nach oben abge­lenkt, auch hatte er noch genug „Fahrt" um das Dach, die Wände des Turmzimmers, der Kofferkammer, des Flures, der grünen Diele und des Gästezimmers zu durchschlagen und auf diesem Wege verschie­dene Möbel und einen Kachelofen zu zerstören. Dies alles in geringer Höhe über dem Fußboden und dann lag er, wie schon gesagt, im Bett. Sein weiter Weg war nicht gerade angenehm. Am nächsten Tag mussten zwei Männer dieses kalte, aber gefährliche Ding, zum Fenster hinaus ins Gras werfen. Es tat sich nichts.

Da am Abend des 17. April keiner wusste, was noch geschehen wür­de, übernachteten alle die im Schloss waren, in der folgenden Nacht im Keller. Die Gräfin, welche krank und leidend war, saß in einem Lehnstuhl im Kellergang und versuchte so zu schlafen. Es blieb aber in der Nacht und auch am Vormittag des 18. April 1945 alles ruhig, mit Ausnahme einiger Gewehrschüsse, die aus Richtung Pansfelde oder Selketal zu hören waren.

Um die Mittagszeit, so zwischen 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr, die Zeit weiß niemand mehr genau, sah man plötzlich aus Richtung Tal, die Vordersten schon im Schlossgelände, graugrüne amerikanische Stahl­helme im Gras unheimlich langsam näher kommen.

In dem Gedanken, dass die geringste Bewegung an irgend einem Fen­ster eine Schieße­rei auslösen müsste, ging ein Mann kurzerhand auf­recht und mit den Armen schwen­kend aus dem Keller hinaus in Rich­tung Hirschgruppe, wovon ja seit dem Vorabend nur noch der Sockel stand. Innerhalb weniger Sekunden war der Mann von den Soldaten der amerikanischen Angriffsspitze, die aus etwa 2-3 Dutzend Mann bestanden, umringt. Es ist kein gutes Gefühl in die Mündungen so vieler Maschinenpistolen zu sehen. Aber alles ging glatt, dass Schloss wurde besetzt und der Angriff ging weiter gegen das Dorf, welches ebenfalls (soweit bekannt) ohne Blutvergießen besetzt wurde. Circa 14 Tage nach diesem Ereignis starb die letzte Gräfin Margarete Adelheid Marie Wernerhine von der Asseburg-Falkenstein, geb. von Massow-Steinhöfel (geboren am 26.04.1868) im Ballenstedter Kran­kenhaus, wohin sie von einem amerikanischen Militärarzt gebracht wurde, da er sie mit seinen Mitteln im Hause nicht behandeln konnte.

Sie wurde ihrem Wunsch gemäß neben dem alten Mausoleum in der Erde bestattet. Im Jahr 1944 setzte ein starker Zuzug von Flüchtlingen ein, welcher im Jahr 1945 noch er­heblich zunahm. Zum Kriegsende waren die Burg Falkenstein und das Schloss voll be­legt mit Flüchtlingen.

Besonders für die Burg ergaben sich große Probleme in hygienischer Hinsicht und im Brandschutz.

Nach der amerikanischen Besatzung des Ortes am 17.04.1945 wurde die Einheit am 03.07.1945 durch die sowjetischen Truppen abgelöst. Nun gehörte der Ort zur russi­schen Besatzungszone. Die Komman­dantur der Einheit befand sich im Schloss. Fried­rich Elzemann wurde zu dieser Zeit Bürgermeister. Viele wichtige Aufgaben und Prob­leme mussten bewältigt werden. Die Versorgung der Bevölkerung war durch  den   auf­kommenden   Schwarzhandel   ein   großes   Problem. Gleichzeitig musste für Ruhe und Ordnung im Ort gesorgt werden. Bedingt durch die vielen Umsiedler, versprengte Ange­hörige der ehe­maligen deutschen Armee und Evakuierte reichte der Wohnraum im Ort nicht aus. Die Einwohnerzahl erhöhte sich auf 1600 Personen. Lebensmittel mussten rationiert werden, Fleischereien, Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte besorgten die Verteilung auf Karten und Marken. Die soziale Struktur des Ortes war gekennzeichnet durch cir­ca zwanzig kleine bis mittelgroße Bauerngehöfte. Zwei landwirtschaftliche Be­triebe unterhielten noch einen Holz- und Kohlehandel und zwei betrieben neben der Landwirtschaft, Fleische­rei- und Gaststättengewerbe.

Ferner gab es im Ort eine Anzahl von Geschäftsleuten selbstständigen Handwerkern, wie Stellmacher, Schneider, Schmiede, Schuhmacher, Tischler, Dachdecker, Friseure, Sattler, Polsterer, Elektriker, Installa­teure, außerdem Tankstellen und Mühlenbetriebe. Eine Dreherei und eine Galvanisierung entstanden 1945. 1950 wurde die Handelsorga­nisation HO gegründet. Erste Verkaufsstellen wurden in den Kreisstädten eröffnet und das Angebot erweiterte sich ständig. Durch die Preisreform und Preissenkungen er­folgte ein Angleichen der Konsum- und HO Preise und in diesem Zusammenhang ent­fielen 1958 die Lebensmittelkarten, die es seit dem Zweiten Weltkrieg gab.

Die Zeit nach 1945 - Das Nationale Aufbauwerk

Das nationale Aufbauwerk -NAW- als mobilisierende Kraft nach dem Zweiten Weltkrieg rief man auf dem Gebiet der DDR ins Leben, um die Orte unter der Losung: „Schöner unsere Städte und Dörfer - mach mit!" in der Freizeit zu verschönern. Von 1957-1961 wurden für her­vorragende Leistungen im NAW sogenannte Aufbaunadeln verliehen. In Meisdorf wurden 6 Aufbaunadeln in Gold, 53 in Silber und 173 in Bronze verliehen.

Für die Verschönerung des Ortes bekam Meisdorf 14 Urkunden für erste bis dritte Plätze, zwei Wanderfahnen und die „Weiße Rose", Plakette zum 30. Jahrestag der DDR, verliehen. So wurden 1955 von 70 Einwohnern im Rahmen des NAW 6500,-Mark, 1956 von 105 Einwohnern 18.000 - Mark und 1957 von 170 Einwohnern 39.200- Mark in 7152 Aufbaustunden erarbeitet.

Objekte die in NAW geschaffen wurden:

Die Allee wurde umgestaltet, junge Bäume gepflanzt, ein Fußweg angelegt und der alte, offene Graben mit Rohren ausgelegt.

Der ehemalige Rosengarten, wo einst eine Dorflinde stand,
wurde zur „Gerhard Schmidt Gedenkstätte" - ein Mahnmal

für die der Opfer des Faschismus umgestaltet. Gerhard
Schmidt wurde als Widerstandskämpfer am 17.12.1948
auf
der „Langen Wiese" hinterrücks erschossen.

Die Reitbahn am Gasthaus „Zum Falken" für Reit- und
Springturniere geschaffen.

Der Sportplatz, einst Ackerland, diente der Jugend und allen
Sportsfreunden als Stätte sportlichen Geschehens. Seit 1947

findet jährlich zu Pfingsten das Fußballturnier statt.

Das Volkshaus, rekonstruiert 1959, wurde 1977/78 erweitert
- Saal mit 300 Plätzen, Gaststätte mit 100 Plätzen und eine
Bühne wurden gebaut.

Buswartehalle entstand im Jahr 1957/58 durch Initiative
der
PGH „Einigkeit" und andere Handwerker.

Im Ort entstanden Produktionsgenossenschaften. In ihnen vereinigten sich mehrere Be­rufsgruppen. Die PGH „Einigkeit" bestand aus Mau­rern, Tischlern, Elektrikern, Klemp­nern, Zimmerleuten und Malern. Ihre Aufgabengebiete bestanden aus Neubau und Aus­bau von Woh­nungen, Werterhaltungen und Reparaturen an Gebäuden in Meisdorf und im Kreisgebiet.

1958 begann der Zusammenschluss von metallverarbeitenden Betrie­ben, wie Schlos­sern und Drehern zur PGH „Mechanik".

Ihr Aufgabengebiet: Produktion von Gestellen für Sitzbänke der Reichsbahnwagen, Flansche, Motorgehäuse. 1972 entstand aus der PGH „Mechanik" der VEB „Apparate­bau" und 1976 durch Zusammenschluss weiterer Betriebe der VEB „Industrievergla­sung". 1968/69 wurde in Stahlleichtbauweise eine neue Produktionshalle er­richtet. Sie ermöglichte eine größere Produktionskapazität und ver­besserte die Arbeitsbedingungen für die Werktätigen. Aufgabengebiet: Herstellung von Teilen von Schiffsmotoren, Schalt­schränken und Konsumgütern. Ein neues Sozialgebäude konnte im Jahr 1976 überge­ben werden.

Das Landeinkaufszentrum wird von der Konsumgenossenschaft be­trieben. Seit 1975 ist der Kiosk „Selkeblick", nah beim Schwimmbad, geöffnet. Vorher befand sich an dieser Stelle das Zollhaus, an dem al­le Fahrzeuge, die durch das Selketal fahren wollten, an den Grafen Wegezoll entrichten mussten. Außerdem wurden ein Herren- und Da­mensa­lon PGH "Ihr Friseur" und eine Annahmestelle für Dienstlei­stungen eröffnet.

Meisdorf zur Zeit der „Wende"

Der 09.11.1989, auch für Meisdorf ein denkwürdiges Datum. Die ganze DDR glich ei­nem „Pulverfass." An den allwöchentlichen Mon­tagsdemonstrationen, die in Leipzig stattfanden, beteiligten sich auch Einwohner aus Meisdorf. In Meisdorf fand an diesem Tag eine öf­fentliche Gemeindesitzung im großen Saal des Volkshauses statt. Es gab emotionale Reden - viele meinten es dabei ehrlich, als plötz­lich die Tür zum Saal aufge­rissen wurde, und ein aufgeregter Mann zum Podium stürzte und das Mikrofon an sich riss. Es war Horst Wal­ter, der völlig außer Atem rief: „Leute, die Mauer ist weg, in Berlin wird mit Schuldheiß Bier angestoßen." Die Versammlung war gelau­fen.

Skeptisch und aufgeregt verließen alle Versammlungsteilnehmer den Saal, um zu Hause an den Fernsehgeräten alles mit eigenen Augen zu sehen, damit sie es wirklich glauben konnten. Die kommenden Tage verliefen chaotisch.

Innerhalb weniger Stunden war die „Mauer" an vielen Stellen pas­sierbar. Auch die Meis­dorf er nutzten die folgenden Tage und Wochen, um in den Westen zu fahren. Dabei mussten sie sich in lange Au­toschlangen einreihen. Keiner konnte es fassen, dass diese undurch­dringliche Mauer zwischen beiden deutschen Staaten, die seit dem 13. August 1961 bestand, plötzlich offen war. Jeder wollte es selbst mit eigenen Augen se­hen.

Die Grenzübergänge Eckertal-Vienenburg wurden von den Ost-Har­zern förmlich über­rollt. Nach langem Anstehen konnte jeder 100-DM in Empfang nehmen und selbst im Westen einkaufen. Die ersten Eindrücke waren kaum in Worte zufassen. Dann kam die Frage - Was kommt nun?

Auf hoher Ebene wurde schon von Vereinigung gesprochen, doch wie diese Vereinigung aussehen sollte, war völlig unklar. Am 01.07.1990 folgte die Währungsunion. Unsere DDR-Mark war wertlos geworden und es wurde spekuliert, zu welchem Kurs unser Geld umgetauscht werden könnte. Es kam zu unterschiedlichen Gerüchten unter der Bevöl­kerung und aus Angst vor einer Entwer­tung des Geldes wurden viele unnötigen Ein­käufe getätigt. Vier Wochen vor der Währungsunion wurde der offizielle Umtausch­kurs bekannt gegeben. Erwachsene durften bis 4.000- Mark der DDR 1:1 in D-Mark umtau­schen, den Rest 2:1. Kinder durften 2.000- Mark der DDR 1:1 in D-Mark umtauschen, den Rest im Kurs 2:1. für Der Währungsunion folgte im Oktober 1990 der Beitritt der neu gegründeten Länder zur Bundesrepublik Deutschland.

Das Jahrhunderthochwasser am 13.04.1994

Im April des Jahres 1994 wurde der Landkreis Aschersleben zum „Schauplatz" einer Hochwasserkatastrophe, da es ein Jahr mit außer­gewöhnlichen Niederschlägen war.

Am 12. April begann es zu regnen und bis zum 14. April wurden 173,3 Liter Nieder­schlag pro Quadratmeter gemessen. Nach diesen sintflutartigen Regenfällen stieg der Pegelstand der Selke innerhalb weniger Stunden auf 2,70 Meter an - die höchste Hochwasseralarm­stufe gilt ab 1,90 Meter Pegelstand.

Manche sahen die Ursache dieses Hochwassers im Zusammentreffen mehrerer unseli­ger Umstände, wie z.B. zu niedrige Dämme, man­gelnde Überflutungsflächen, Flussbe­gradigungen und Baumaßnah­men in den Überschwemmungsgebieten, Bodenverände­rungen durch landwirtschaftliche Großflächennutzung, lang anhaltender ergiebiger Re­gen und Schneeschmelze im Harz.

Durch vorangegangene größere Niederschläge ab Dezember 1993, wurden bereits kleinere und mittlere Hochwasser verzeichnet. In der Silvesternacht 1993/1994 hatte der Petersbach den Durchlass am Schloss verstopft. Eine weitere Hochwasserwelle überflutete vom 18.03.1994-20.03.1994 das Selketal, die Selkewiesen und den Park­platz am Freibad, es hieß „Land unter".

Für unseren Ort begannen dramatische Tage, welche vielen Einwoh­nern noch lange in Erinnerung bleiben werden. Am 12. April kam es zu weiteren starken Niederschlägen und es wur­de Alarm ausgelöst, da das Regenwasser von den Bergen und Hängen strömte und die Kampwiesen überflutete. Ein Damm wurde errichtet, um die Wasser­massen zur Annenbrücke umzuleiten. Dieser Versuch misslang, der Sportplatz und die anliegenden Häuser wurden von den Wassermassen überschwemmt.

Das kleine Flüsschen Selke verwandelte sich in einen reißenden Strom und trat über die Ufer.

Bis zu den Mittagsstunden des 13. April 1994 wälzten sich die brau­nen Fluten durch den Ort. Teile von Meisdorf, die noch nie vom Hochwasser betroffen waren, standen hüft­hoch unter Wasser. Straßen, Keller und auch Wohnungen füllten sich mit einer Brühe aus Wasser und Schlamm. In der Wasserstraße hatte das Wasser einen Stand von 1,0 Meter mit starker Fließgeschwindigkeit. Um die Schäden zu be­grenzen, wurden Sand­säcke gefüllt und neu verlegt.

Die Einsatzleitung wurde vom Wehrleiter Martin Bischof und der Bürgermeisterin Bärbel Bürger übernommen.

Die Kindereinrichtungen mussten geschlossen werden und zu allem Unglück kam es auch noch zum Stromausfall. Von den Kindergärtne­rinnen wurden heiße Getränke zube­reitet und verabreicht und die

Schulküche versorgte die Hilfskräfte und Einwohner mit warmen Mahlzeiten.

In der Allee musste ein Haus wegen Einsturzgefahr geräumt werden. Die Feuerwehr hatte in Voraussicht schon in den vergangenen Jahren Sandsäcke gefüllt und gelagert, so wurde es möglich, dass 3.000 Sandsäcke nach Staßfurt abgegeben werden konn­ten. Von Mittwoch 5.30 Uhr bis Samstag 18.00 Uhr leisteten Feuerwehr­männer, ABM-Kräfte und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes und viele freiwillige Helfer Schwerstarbeit, so war auch das Wort Nachbarschaftshilfe eines Selbstständigkeit.

Das Ausmaß der Flutkatastrophe war so groß, dass Öltanks aus den Verankerungen gerissen, Privatgrundstücke, Brücken, Wanderwegen, Straßen, Freizeit und Hotelanla­gen stark beschädigt oder zerstört wurden. Die Selketalstraße, ein 1,5 Millionenprojekt, deren Übergabe am 30.04.1994 erfolgen sollte, sowie 10 Kilometer Wanderwege in und um das Selketal wurden förmlich weggespült.

Für unseren Ort mit seinem Tourismus entstanden große Schäden, welche schnell be­seitigt werden mussten. Das Badeland in Meisdorf, Anziehungspunkt für viele Urlauber, bereitete der Bürgermeisterin besonderes Kopfzerbrechen. Durch bauliche Untersu­chungen musste festgestellt werden, ob eine Sanierung noch möglich ist. In der Ge­meinde wurden auch die Brücken über die Selke stark beschädigt.

Aus Sicherheitsgründen wurde die Volkshausbrücke gesperrt, die Adelheidsbrücke zwi­schen Falken und Thalmühle wurde von den to­benden Wassermassen völlig weggeris­sen und eine Behelfsbrücke musste errichtet werden. Die Ackeburgbrücke, unterhalb der Selke­sicht, wurde so stark unterspült, dass sie einzustürzen drohte, auch die Falken- und Ludwigsbrücke hinter der Thalmühle konnten durch star­ke Beschädigungen nur noch von Fußgängern passiert werden. Schäden, die von den Wassermassen in der Kommune angerichtet wurden, beliefen sich nach Schätzungen auf 9 Millionen Mark. Als Lehre aus diesen Apriltagen, schuf der Ort sein eigenes Hochwasser­warnsystem. Bei erhöhtem Wasserstand wird regelmäßig der Pegelstand der Selke abgelesen und die Daten nach Ermsleben und Reinstedt gemeldet. Grundstücke und Straßenzüge wur­den registriert, welche bei erhöhtem Wasserstand vom Hochwasser betroffen werden könnten.

(Quelle: Chronik der Gemeinde Meisdorf, 2005, Meisdorf, Eigenpublikation)